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Zwillinge

MS: Umweltfaktoren oder erblich?

Warum hat ein Zwilling MS, der andere aber nicht?

04.05.10 Fakt ist nach wie vor, dass Verwandte von MS-Patienten eine leicht erhöhte Chance haben, ebenfalls zu erkranken. Bei eineiigen Zwillingen liegt dieses Risiko sogar bei 25 %. Daran rütteln auch die neuen Ergebnisse amerikanischer Forscher nicht.

Sie untersuchten sehr intensiv das Erbmaterial der Immunzellen zweier eineiiger Zwillingsfrauen, von denen nur eine an MS erkrankt ist - ohne Ergebnis. Während die Forscher im Vorfeld annehmen mussten, dass das Erbgut von eineiigen Zwillingen nicht ganz identisch ist, sondern winzige Unterschiede aufweist, bedingt etwa durch Mutation oder Fehler beim Kopieren der Zellen, hatten sie hier tatsächlich völlig identisches Material vorliegen. Und daher natürlich keine Antwort auf die Frage, welche genetischen Voraussetzungen zur MS des einen Zwillings beigetragen haben könnten.

Aber obwohl diese Untersuchung ohne Ergebnis ausfiel, könnte sie doch sehr aussagekräftig sein. Denn Forscher haben bei Genuntersuchungen großer Gruppen von MS-Patienten bestimmte Genvariationen mit einem erhöhten MS-Risiko herausfinden können und diese Variationen auch bei den betroffenen Zwillingen ausgemacht.

Bringen nun beide Zwillinge die gleichen genetischen Voraussetzungen mit, aber nur einer erkrankt an MS, bedeutet dies: Der kranke Zwilling muss irgendwann (oder auch über einen längeren Zeitraum hinweg) den "optimalen" Umweltbedingungen ausgesetzt gewesen sein, um Multiple Sklerose zu entwickeln. Die Ergebnislosigkeit der aktuellen Untersuchung könnte die Rolle der Umweltfaktoren, die eine MS begünstigen, in ihrer Wichtigkeit gegenüber der Erblichkeit also verstärken.

Um aber mehr Aussagekraft zu erhalten, so Kingsmore, einer der Leiter der Studie, sei es an der Zeit, nicht nur Immunzellen von Zwillingen zu untersuchen, sondern auch Hirngewebe, (dies ist jedoch nur post mortem möglich). Außerdem müsste die Zahl der untersuchten Zwillingspaare erhöht werden.

Quelle: Nature, 28.04.10

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